AKTUELL

Aktuellster Beitrag jeweils unten (aufsteigend chronologisch geordnet)

17-11-2015
Maßgeschneiderte Nutztiere
Seit der Entwicklung der sogenannten Genomeditierung (CRISPR/Cas9-Technologie; hier der PDF der entscheidenden Veröffentlichung) und ihres Durchbruchs im Jahr 2012  diskutieren Wissenschaftler weltweit kritisch über die eventuellen Folgen der vielen potentiellen Anwendungen. Besonders intensiv werden die ethischen Implikationen dieser Methode diskutiert, weil sie universal in Zellen aller Organismen – von Mikroorganismen bis zum Menschen – angewendet werden kann. Viele Wissenschaftler plädieren daher für ein Moratorium, weil sie eine breite gesellschaftliche Diskussion über das Wie des Umgangs mit dieser Technologie für dringend notwendig halten, insbesondere im Hinblick auf Anwendungen in der Humanmedizin. Das Plädoyer der amerikanischen Kollegen für ein Moratorium – zu denen auch Jennifer Doudna zählt, eine der entscheidenden Mitentwicklerinnen der Methode – wurde im März 2015 in Sciencexpress veröffentlicht (paywall; bei J. Doudna kann jedoch via Email (doudna@berkeley.edu) kostenlos das PDF für den privaten Gebrauch angefordert werden). Die New York Times berichtete über diesen Aufruf und auch wired nahm sich dieses Themas an. In Deutschland will das Bundesforschungsministerium den öffentlichen Diskurs mit bis zu 3.5 Millionen € für Forschungsprojekte zu den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten dieser Technologie und ihrer Anwendungen unterstützen. Auch Anwendungen im Nutzpflanzenbereich und zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten werden von den Wissenschaftlern kritisch diskutiert.
Währenddessen schafft China – wie schon öfters in vergleichbaren Situationen – Fakten. Im September 2015 veröffentlichte eine chinesische Forschergruppe wie sie mittels Genomeditierung Ziegen zu mehr Fleischansatz und Haaransatz verhalfen. Wer mit der originalen Fachpublikation nicht viel anfängt, kann es auf verständlichere Art im Scientific American nachlesen: Es wurden zwei Gene von Kaschmirziegen, die normalerweise das Wachstum von Haaren und Muskeln hemmen, in einem sehr frühen embryonalen Stadium (Zygote, Einzellstadium) abgeschaltet.  Das Ergebnis sind 10 junge Ziegen mit mehr Fleischansatz und längerem Haar, bei denen bisher laut Aussagen der Forschergruppe ansonsten keine Anomalien gibt.

30-11-2015
Anwendung der Genomeditierung beim Menschen
Im Scientific American von heute schreibt J. Moreno (Professor für Bioethik und Geschichte der Wissenschaft an der Univ. Pennsylvania), über die Schwierigkeit, für die Genomeditierung einen weltweiten Konsens zu finden und Regularien für die Anwendung aufzustellen, welche eventuelle akzeptable therapeutische Anwendungen nicht von vorneherein verhindern, jedoch Versuche, das humane Erbgut zu „verbessern“ ganz klar verbieten.

13-12-2015
Was haben Krebsforschung und der Zyklop aus der griechischen Mythologie gemeinsam?
Die Anwort: Cyclopamine, ein Steroidalkaloid für das die Zyklopen allerdings nicht nur Namensgeber waren, sondern es ist ein Teratogen, das zu Missbildungen von Säugertierembryonen führen kann, unter anderem zu nur einem Auge in der Mitte der Stirn (Zyklopie). Wie eine Google-Suche zeigt, taucht dieses Thema alle Jahre wieder in den Medien auf, denn der Zusammenhang mit der Zyklopie und entsprechend wenig schöne Fotos zieht natürlich die Aufmerksamkeit potenzieller Leser an.
Cyclopamine kommen in Pflanzen der Gattung Veratrum vor (Germer; Weißer Germer, Nieswurz u. a.). Wissenschaftler kamen der Substanz in der Mitte der 1950er Jahre auf die Spur, weil in Idaho (USA) fast ein Viertel aller Lämmer missgebildet und mit Zyklopie geboren wurden: Sie hatten Veratrum californicum auf den Weiden gefressen. Einen kurzen Überblick über die Geschichte der Entdeckung und die Eigenschaften von Cyclopamine gibt ein Artikel in der Dezember-Ausgabe 2015 des The Scientist. Ein etwas ausführlicherer Fachartikel, der einen Überblick über den Stand der Forschung von 2010 gibt, kann hier heruntergeladen werden.
Die Substanz blockiert die Fähigkeit tierischer Zellen, auf ein wichtiges Signalprotein (hedgehog) aus dem nach diesem Protein benannten Hedgehog-Signalweg zu reagieren. Dies führt zu starken Missbildungen während der Embryonalentwicklung (Zyklopie, fehlender Oberkiefer u. a. ) und zu Krebs bei Erwachsenen, weil der Hedgehog-Signalweg auch bei bestimmten Hautkrebsen (z. B. basales Zellkarzinom) eine Rolle spielt. Der Einsatz von Cyclopamine in der Krebstherapie wird seit langem und sehr intensiv erforscht, weil die Substanz zum Absterben (Apoptose) von Tumorzellen führen kann.

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